14.01.2021

Krise bietet auch Chancen

In der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Stahlmarkt" wurden Unternehmen gefragt, wie sie unter anderem die jüngsten Entwicklungen in ihrem Marktsegment einschätzen. Für das Haus rff nimmt Geschäftsführer Michael Allexi Stellung zu dieser und weiteren Fragen, die den Stahlmarkt derzeit beschäftigen. 

Welches sind aus Ihrer Sicht die jüngsten Entwicklungen im Stahlhandel?
Bereits seit geraumer Zeit beobachten wir einen Trend hin zu immer größer werdenden Einheiten im Stahlhandel. Aus unserer Sicht hat die Entwicklung durch die Krise noch mehr an Dynamik gewonnen. Die Gründe liegen zum einen an dem weiter steigenden Handlungsdruck und zum anderen an dem weiterwachsenden Liquiditäts- und Kapitalbedarf.

Dennoch stellen wir fest, dass die Schwächen einiger großer Player deutlich sichtbarer werden, was für Spezialisten durchaus Chancen bietet. Für den Endverbraucher heißt das im Endeffekt, dass größer nicht automatisch auch besser ist.

Was ist Ihr persönliches »learning« aus der Corona-Krise?
Erstens: Die Krise hat gezeigt, dass die Gemeinschaft – auch in Unternehmen – viel erreichen und verändern kann, wenn der Wille da ist.

Zweitens: dass Unternehmen, die im strategischen Grundmodell und in der »Customer Centricity« (Kundenorientierung, Anm. d. Red.) gut aufgestellt sind, in der Lage sind, Krisen erfolgreicher zu bewältigen.

Drittens: dass die Unternehmens- und Führungskultur – inklusive der internen Kommunikation – eine noch stärkere Schlüsselrolle bei der Krisenbewältigung einnimmt als so schon.

Viertens: Die VUCA-Welt ist und bleibt die neue Konstante. Darum gilt es, stets vorbereitet zu sein!

Welche Themen bewegen Sie zurzeit besonders?
Das sind vor allem drei Themen. Einerseits die langfristige Liefersicherheit: Welche Werke werden überleben? Ebenfalls sehr wichtig für uns ist die optimale Mengenplanung:
Wann zieht der Markt wieder an, und zu welchem Zeitpunkt sind Bestellungen von Long Leads (Komponenten mit langem Vorlauf, Anm. d. Red.) in welchen Mengen auszulösen?

Was uns momentan zudem sehr bewegt, ist die Vermeidung von Überforderung der Organisationen und ihrer Mitarbeiter durch zu viele Projekte.

Wie schätzen Sie den Markt in den kommenden Monaten ein?
Aufgrund des Nachfrageeinbruchs bei Rohren und Rohrzubehör seit dem Sommer ist der übliche Lagerzyklus zum Jahresende ausgefallen, ebenso wie der anschließende Aufbau der Bestände im Frühjahr ausfällt. Die Läger sind voll und zum Teil signifikant überstockt. Viele Werke für Rohr und Rohrzubehör bleiben bis tief ins Jahr 2021 strukturell dramatisch infraausgelastet. Liquidität ist in Krisen das höchste Gut, diesbezüglich ist bei einigen Unternehmen eine kritische Marke erreicht. Dies kann auch kundenseitig dazu führen, dass im Aufschwung das nötige Kapital zur Vorfinanzierung der Aufträge fehlt.

Es ist davon auszugehen, dass es weitere Infektionswellen bis tief in dieses Jahr geben wird. Spätestens Mitte des Jahres sollte eine deutliche Verbesserung der Nachfrage in den Bereichen »Maintenance« und »Projekte« einsetzen. Die Frage ist, wie stark dieser Aufschwung ausfallen wird und ob es auch durch die dramatische Verknappung von Seecontainern zu einer Überhitzung der Preise kommt.

Was sind Ihre Pläne für 2021?
Die Frage sollte eher lauten: »Was sind Ihre Pläne für 2022?«. Denn die Pandemie wird uns in diesem Jahr weiter stark beschäftigen. Somit bleibt es auch im Jahr 2021 bei den organisatorischen und hygienischen Herausforderungen, die uns seit Monaten belasten. Die Umsetzung von Maßnahmen zur Verbesserung der Effizienz und Effektivität wie auch der Katalysator in Richtung Digitalisierung benötigen Zeit. Bei der Umsetzung werden die Kapazitäten der Mitarbeiter und der Organisation belastet. Dennoch wird uns 2021 in diesen Punkten einen deutlichen Schritt nach vorne bringen. Dieses Jahr werden wir dazu nutzen, um anstehende Expansionen und Investitionen detailliert zu planen und vorzubereiten.

Link zur Homepage: https://www.stahleisen.de/

 

rff – Stark verbunden.