10.09.2014

Umkehr der Steuerschuld

Es ist nicht davon auszugehen, dass alle Unternehmen im Stahl- und Metallhandel das Bundesgesetzblatt abonniert haben. Von der Gesetzesänderung zum 1. Oktober 2014 werden dementsprechend viele Firmen noch nichts gehört haben. Es geht hierbei um die Umkehr der Steuerschuld bei Stahllieferungen.

Deutschland ist für seine zahlreichen Verbände und Vereine bekannt. In diesem Fall können die Unternehmen aus Stahl- und Metallbranche froh darüber sein. Denn vor kurzem haben diverse Berufsverbände auf eine weitreichende Veränderung im Steuerrecht aufmerksam gemacht, die bereits zum 01.10.2014 in Kraft treten wird.

Es geht hierbei um eine Gesetzesänderung, die die Umkehr der Umsatzsteuerpflicht auf Lieferungen von Neumetallen und metallischen Halbzeugen zur Folge hat. Dieses sogenannte Reverse-Charge-Verfahren sieht vor, dass der Lieferant eine Nettorechnung auszustellen hat. Dabei muss er gleichzeitig auf den Übergang der Steuerschuldschaft auf seinen Kunden hinweisen.

Für den konkreten Anwendungsfall bedeutet das, dass der Rechnungsempfänger den Umsatz in seiner eigenen Umsatzsteuervoranmeldung gegenüber dem Finanzamt angeben und versteuern muss. Im Gegenzug kann die Vorsteuer zugleich wieder in Abzug gebracht werden. Berechnet der Lieferant allerdings fälschlicherweise mit Umsatzsteuer ab, hat sein Kunde kein Recht auf Abzug der Vorsteuer.

Von dieser weitreichenden Gesetzesänderung sind vor allem Walzstahlerzeugnisse betroffen, die sowohl unlegiert, legiert oder aus rostfreien Edelstählen sein können. Rohre und Rohrverbindungsteile sind als Produkte der ersten Verarbeitungsstufe hiervon nicht betroffen.

Als Hintergrund für diese neue Regelung gelten vermehrte Betrugsfälle bei der Lieferung von Metall und Edelmetall. Vehemente Proteste, das bisherige Verfahren beizubehalten, blieben bisher ohne Wirkung. Desweiteren setzen sich Verbände und Organisationen für eine Übergangsregelung bis zum Ende des Jahres und die Einführung einer Freigrenze ein.

Aufgrund der weitreichenden Maßnahmen, die in den Unternehmen erforderlich sind, gilt die Umsetzung zum 1. Oktober als schwierig. Immerhin ergeben sich in der betroffenen Branche rund 150.000 Fakturierungen pro Tag. Außerdem gibt es bis dato noch kein offizielles Ausführungsschreiben seitens des Bundesfinanzministeriums.

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rff – Stark verbunden.