30.03.2016

Vertrauen in die Märkte

Die rff Rohr Flansch Fitting Handels GmbH mit Hauptsitz in Stuhr/Bremen gehört zu den größten Komplettanbietern für Rohrverbindungen und Rohre in Europa. Ein Schwerpunkt für das Unternehmen ist der Handel mit Produkten aus rostfreiem Edelstahl. Vertriebsleiter Michael Allexi nimmt im Gespräch mit Edelstahl Aktuell Stellung zu aktuellen Trends und Themen. 

EA: Herr Allexi, als Vertriebsleiter im Hause rff, kennen Sie die aktuelle Situation am Edelstahlmarkt genau. Wie schwierig ist es für Sie die derzeitige Lage exakt zu beurteilen? 

Michael Allexi: Als international agierendes Handelsunternehmen bewegen wir uns permanent sowohl auf den Beschaffungs- als auch auf den Absatzmärkten,  kennen also beide Seiten und operieren in diesem auch aktuell interessanten Spannungsfeld. Für uns bedeutet dies, dass wir die richtige Balance zwischen Preisniveau, Lagerbestand und Absatz finden müssen. Die derzeitige Marktlage macht uns die Aufgabe nicht gerade leicht. Besonderes Augenmerk gilt in Marktsituationen wie der derzeitigen natürlich der Wiederbeschaffung und die Lieferfähigkeit sowie den Beständen, verbunden mit der entsprechenden Kapitalbindung. Hier muss sensible abgewägt werden, gleichzeitig darf der Zeitpunkt eines  „Turnaround“ nicht verpasst werden an dem die Preisspirale wieder nach oben geht. Das kann gerade nach einer langen Flaute sehr schnell gehen und plötzlich werden die Mengen knapp. Aus heutiger Sicht ist der Punkt aber noch nicht erreicht. 

EA: Wo liegen für Sie die Gründe für die anhaltend schwache Nachfrage nach Edelstahlprodukten? 

Michael Allexi: Maßgeblich ist es der deutliche Nachfragerückgang, ausgelöst durch schwierigere wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen, insbesondere in den ehemaligen „Hoffnungsmärkten“. Dies trifft auf massive Überkapazitäten in der Stahlerzeugung und Rohstoffförderung. Eine typische Situation für einen „Buyer´s market“. Die Abnehmer beobachten die Tendenzen ganz genau und wissen, dass das Preisniveau zurzeit niedrig und die Lieferzeiten relativ kurz sind. Es gibt für sie also keinen Grund, von der Maßgabe die Lagerbestände weiter abzubauen, abzurücken. Beim Abschluss von langfristigen Lieferverträgen warten die Kunden den für Sie richtigen Moment ab; glauben viele immer noch, dass die bestellten Mengen morgen noch günstiger sein könnten. Viel Luft nach unten ist bei den aktuellen Bedingungen allerdings kaum mehr vorhanden. 

EA: Bereits vor einiger Zeit hieß es, dass das Preisniveau nicht noch weiter sinken kann. Dennoch ging die Talfahrt beim Nickelpreis weiter. Wann ist die Schmerzgrenze erreicht? 

Michael Allexi: Bei vielen Herstellern, insbesondere den Nickelproduzenten, aber auch Werken und Marktbegleitern ist die Schmerzgrenze bereits deutlich überschritten. Wir befinden uns in der Situation, dass sowohl der Nickel- als auch der Rohölpreis extrem niedrig sind und sich unterhalb der Förder- und Erzeugungskosten befinden. Wenn die angesprochen Überkapazitäten und eine schwächere globale Nachfrage nach Stahlprodukten den Preisdruck zusätzlich erhöhen, gerät die Wertschöpfungskette aus dem Gleichgewicht. Das kann auf Dauer nicht funktionieren. 

EA: Die kurzfristigen Aussichten sind demnach nicht gerade positiv. Wie sieht es mit einer mittelfristigen Prognose und der Situation in Ihrem Unternehmen aus? 

Michael Allexi: Wenn man sich die Zyklen des Stahlmarktes über einen längeren Zeitraum anschaut, wird man feststellen, dass es immer wellenartige Bewegungen mit zum Teil heftigen Ausschlägen, gab. Wichtig ist, dass ein Unternehmen darauf zügig und dynamisch reagiert, dies gilt insbesondere für Handelsunternehmen wie dem unsrigen. Im Moment befinden wir uns sicher in einem Tal. Aber die Nachfrage wird mittelfristig wieder anziehen. Den genauen Wendepunkt kann keiner vorhersehen. Wie immer gibt es aber auch Chancen in schwierigen Zeiten und was sich derzeit zeigt, ist dass zum Beispiel europäische Anlagenbauer aufgrund des schwachen Euros jetzt verstärkt wieder internationale Projekte akquirier können. Das macht sich auch bei uns bemerkbar, deswegen sind wir, vor dem Hintergrund der aktuellen Marktsituation, mit dem Start des neuen Jahres durchaus zufrieden und weitere, interessante Projekte zeichnen sich ab. Diese Indikatoren machen Hoffnung, dass sich die Märkte und vor allem Preise und Margen langsam erholen könnten. Heute von einer Trendwende zu sprechen wäre allerdings verfrüht. Dafür sind die sind die Signale einfach noch nicht stabil genug. Insbesondere eine Beruhigung der globalen Krisen würde die Nachfrage und die Preise für Rohstoffe und Stahl positiv beeinflussen. 

EA: Im April ist das Haus rff auf der Tube in Düsseldorf vertreten. Mit welchen Erwartungen gehen Sie zur Weltleitmesse der Rohrindustrie? 

Michael Allexi: Für uns ist es wichtig, dass wir uns auf der Tube 2016 als starker Partner präsentieren. Wir kennen die Sorgen unserer Kunden und nehmen diese ernst. Dennoch hoffen wir, dass wir aus den Gesprächen positive Signale heraushören. Das Vertrauen in die Märkte ist da und wir blicken positiv in die Zukunft. Dass sieht man an der Tatsache, dass wir Anfang des Jahres das Edelstahlprogramm im Werkstoffbereich 1.4404/316L deutlich ausgebaut haben – davon werden auch unsere Kunden profitieren.

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