09.07.2013

Werden Stahlwerke zu Spritfabriken?

Bislang wurde Gichtgas, das bei der Herstellung von Stahl zwangsläufig entsteht, entweder abgefackelt oder gerade mal zur Erzeugung von elektrischer Energie genutzt. Auf alle Fälle sind diese Verfahren weder innovativ noch gelten sie als effektiv. Das soll sich nun grundlegend ändern – zumindest wenn sich das Verfahren des neuseeländischen Unternehmens LanzaTech durchsetzen sollte. 

Eben diese Firma hat einen Bioreaktor entwickelt, der es ermöglicht, aus den Abgasen, die bei der Stahlherstellung anfallen, Ethanol zu gewinnen. In Deutschland wird Ethanol u. a. dem Kraftstoff E10 in großen Mengen beigemischt. Bislang wird dieser Alkohol fast ausschließlich aus Nahrungs- und Futtermitteln gewonnen.

Als Kern dieses Verfahren gelten Mikroben, die das entstehende Abgas in Form von Stickstoff, Kohlenmonoxid, –dioxid und Wasserstoff regelrecht fressen. Nach dem Verdauungsprozess bleibt Ethanol übrig. Sobald sich genügend Alkohol gebildet hat, wird dieser noch mit Wasser vermischt, abgezogen und die Mikroorganismen werden zurück in den Reaktor befördert. In einem nachgeschaltetem Verfahren werden Alkohol und Wasser getrennt. Als Reststoffe bleiben Stickstoff und ein Teil CO2 übrig.

Bereits seit 2008 betreibt LanzaTech in Auckland eine Demonstrationsanlage. Im Jahr 2012 gingen in China die beiden ersten halbtechnischen Ethanol-Fabriken in Betrieb. Im nächsten Jahr sollen, ebenfalls in China, zwei großtechnische Anlagen die Produktion aufnehmen.

Diese Methode funktioniert auch in anderen Bereichen, so auch in der chemischen Industrie und bei vielen weiteren Anwendungen, wo Reststoffe entstehen. Denn die Kleinstlebewesen können, nach Angaben von LanzaTech, nicht nur Gichtgas verarbeiten. Sie verarbeiten alles was Kohlenstoff enthält, wie etwa das Schwelgas von Holz und brennbarem Müll.

Die Herstellung von Eisen und Stahl verursacht fast sieben Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes. Wie viel Ethanol aus Gichtgas gewonnen werden kann, lässt sich zum heutigen Zeitpunkt nicht exakt sagen. LanzaTech schätzt das Potenzial jedenfalls auf ca. 110 Millionen Kubikmeter pro Jahr. Damit ließe sich der heutige Weltbedarf von gut 80 Millionen Jahrestonnen locker decken.

rff – Stark verbunden.